DOUGLAS FIRS
Noel Gallagher ist nicht gerade bekannt dafür, dass er nette Dinge über andere Menschen zu sagen hat. Im Fall von Douglas Firs allerdings war es so: „I like this instantly“, offenbarte Gallagher, als ein belgischer Radiomoderator ihm den Song „Caroline“ vorspielte. Dabei handelt sich um das Eröffnungsstück des neuen Douglas Firs Albums „The Long Answer Is No“ – und wir wagen einfach mal zu behaupten, dass Noel Gallagher noch mehr solcher Lobeshymnen von sich geben würde, wenn er den Rest des Albums hören würde. Douglas Firs ist das musikalische Alter Ego von Gertjan Van Hellemont. Die Musik: Irgendwo zwischen Indie, Americana und Folk. Dabei kommt Van Hellemont gar nicht aus einem staubigen Südstaaten-Nest, sondern aus Belgien. Sein Debütalbum „Shimmer & Glow“ sorgte in seiner Heimat bereits für wahre Begeisterungsstürme und brachte ihm Vergleiche zu Ryan Adams, Wilco, The Jayhawks, Gram Parsons und sogar Bob Dylan ein. Bevor er mit den Aufnahmen des Nachfolgers begann, beschloss Van Hellemont jedoch erst einmal abzuhauen. Gemeinsam mit drei Freunden machte er sich auf einen sechswöchigen Road-Trip entlang der Westlüste der USA und durch Kanada. Sie erkundeten Städte und genossen die Natur. „Drum herum buchten wir uns ein paar Konzerte in kleinen Pubs und Clubs“, so Van Hellemont. „In Amerika läuft das alles anders als in Belgien, wo die Venues zum Teil Geld vom Staat bekommen. Manchmal mussten wir uns sogar selbst an die Kasse setzen und Tickets verkaufen. Das Ganze hat dort viel mehr DIY-Charakter, und diese Reise war sehr inspirierend.“ Kein Wunder, dass sie einen großen Einfluss auf „The Long Answer Is No“ hatte. Das fängt an bei der alten Gibson J-60, die Van Hellemont sich in San Francisco gekauft hat, geht über das Cover, das dem Mirror Lake in Oregon nachempfunden ist, und endet bei den Texten. „Als ich wieder Zuhause in Belgien war, fühlte sich auf einmal alles so klein an“, so Van Hellemont. „Landschaftlich, aber auch, was die Weltsicht der Leute angeht.“ Dieses Gefühl verarbeitete er zum Beispiel in der mit Bläsern und Chören verzierten Klavierballade „All The Same Difference“, und dem mindestens genauso schönen „Through Watery Eyes“. Überhaupt: Was schreibt dieser junge Mann für Balladen! Sie klingen so warm und sanft. Pirschen sich langsam heran, bevor Mundharmonika, Streicherquartett und Hammond-Orgel sie endgültig zu kleinen Meisterwerken machen. Dazu kommen ein paar wunderbar schroffe Rock-Nummern wie „Don’t Buy That House“, in dem Van Hellemont mit einer Ex abrechnet. „Eigentlich hatten wir gemeinsame Pläne“, sagt er, „doch während ich in Amerika war, hat sie plötzlich ein Haus mit einem anderen Typen gekauft. Der Song klingt zwar ganz lustig, aber ich war echt wütend, als ich ihn geschrieben habe.“ Aufgenommen hat Van Hellemont das Album übrigens mit einigen namenhaften Musikerfreunden: Simon Casier von Balthazar am Bass, Christophe Claeys von Amatorski und Magnus am Schlagzeug und Van Hellemonts Bruder Sem an den Keyboards. Abgemischt wurde es anschließend Tom Schick (Wilco, Ryan Adams), und zwar im „Wilco Loft“ in Chicago – für Van Hellemont ein Traum, der wahr wurde. „Er hat alle meine Lieblingsplatten gemixt“, sagt er. „Eines Tages habe ich ihm einfach eine Mail geschickt.“ Schick ging es wie Noel Gallagher: Er war sofort Fan. Und die beiden werden garantiert nicht alleine bleiben.
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