SCHWARZBAUER
Kurt Schwarzbauer gibt es schon eine ganze Weile. So ungefähr seit irgendwann Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Seit den 1970er Jahren besingt Kurt Schwarzbauer das Leben auf dem Land im Allgemeinen und in Bayern im Speziellen. Er erzählt Geschichten, mit denen so ziemlich jeder Mensch etwas anfangen kann. Am kommenden Freitag (20.11.) wird mit "Hin und Her" beim Münchner Label Instrument Village sein neues Album erscheinen und am 30. November ist er in der Milla live zu sehen.

Bisher kannte man den Kurt mit simpler Gitarrenbegleitung. Ein Liedermacher ganz im Sinne seiner Vorbilder Bob Dylan und Hannes Wader eben. Doch jetzt, da er in Rente gegangen ist, hat sich Kurt Schwarzbauer als Musiker neu erfunden. Beziehungsweise, ein bisschen hat er sich auch erfinden lassen, von Jörg Weber, dem Schrobenhausener Jazz-­Saxophonisten und Komponisten. Jörg Weber hat Kurt Schwarzbauers Musik herausgeholt aus dem simplen Liedermacher‐Kosmos und zu teils alten, teils neuen Liedern Arrangements geschrieben, die den Geschichten und Songs eine neue musikalische Tiefe, manchmal eine überraschende Melancholie, oft genug einen neuen Witz geben.

Seit langer Zeit arbeitet Kurt Schwarzbauer wieder mit einer Band zusammen. Dabei passt es ganz gut, dass Schrobenhausen, eigentlich nur als Spargelnirvana bekannt, die Heimat gleich mehrerer überragender Musiker ist. Jörg Weber spielt auf dem Album selbst Saxophon und Klavier, sein Bruder Florian Weber (Sportfreunde Stiller) hat das Schlagzeug aufgenommen, Markus Schäfer (Instrument) den Kontrabass. Komplementiert wird die Band von Ursl Beyer (Gesang) und Peter Hillinger (Gitarre).

Bei dieser Kollaboration ist ein Album herausgekommen, dass in seiner Vielfalt in der bayerischen Liedermacher‐Szene seinesgleichen sucht. Von Jazzanleihen, Mitsingmelodien bis hin zum potentiellen Wiesn‐Hit. Alles da. Den ersten Song des Albums, „Wenn i so kannt“, hat der Kurt bereits in den 1970er Jahren veröffentlicht. Der Text hat jedoch nichts an seiner Gültigkeit und Kraft eingebüßt: „Dad's a so geh, wia i des wui, war i ein Grenzer mit freundlichem Gsicht. Kam gar net zum Dienst, weil i hätt's im Gfühl, dass d'Welt ohne mi a net zambricht“. In Zeiten einer sehr problematischen bayerischen Flüchtlingspolitik, ein starkes Statement. 

Dabei hat Schwarzbauer mit Politik eigentlich gar nicht so viel am Hut. Er ist kein Konstantin Wecker. Er will einfach nur, dass die Menschen nett zueinander sind und auf die Natur aufpassen. Deshalb gibt es neben „Wenn i so kannt“ auch nur noch den Song „Hä Willi“, der ein politisches Statement andeutet. Stattdessen beschäftigt sich der Kurt in „Hin und Her“ lieber mit Freiheit und Rastlosigkeit. Die Melodie hat er sich von Hannes Waders Lagerfeuerklassiker „Heute hier, morgen dort“ geliehen – einem Song, den er eigentlich gerne selbst geschrieben hätte. Aber mei, dann gibt er ihm halt einen ganz eigenen Anstrich. Auch gut.

Vor allem live ist Kurt Schwarzbauers Energie ansteckend: wie er seine Lieder herausplärrt, weil sie gerade einfach raus müssen und mittendrin Witze erzählt und vielleicht auch mal einen Einsatz verpasst, weil er eben ein Gefühlsmusiker ist. Wer nach einem Schwarzbauer‐Konzert schlecht gelaunt nach Hause geht, der ist selbst schuld. Am Kurt kann es jedenfalls kaum gelegen haben.
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