TU FAWNING
Gibt es etwas Schöneres im Leben eines mit Musik arbeitenden Menschen, gleich welcher Branche: Band XYZ hat soeben ihre neuen Songs geschickt. Das erste, nervöse Anhören geht vonstatten. Und im Idealfall stellt sich subito und direkt danach diese beglückte, ja fast federleichte Glückseligkeit ein. Enter TU FAWNING, die auf der Bühne alles noch viel besser machen als im Studio.
Jetzt aber kommt der oben beschriebene Moment. Das zweite TU FAWNING Album ist fertig und es ist großartig. Nach zwei Jahren auf Tour mit den Songs des gefeierten Debüts „Hearts On Hold“ zogen sich Corrina Repp, Joe Haege, Liza Rietz und Toussaint Perrault in ihren Übungsraum zurück, um aus Skizzen und Ideen, die an so unterschiedlichen Orten wie Portland, Leipzig und den Kanarischen Inseln entworfen wurden, komplette Songs zu formen. Diese wurden sodann in verschiedenen aufgenommen, um in Portland von Jeffrey Stuart Saltzmann gemischt zu werden und den letzten Schliff von Mastering-Papst Howie Weinberg in dessen heiligen Hallen in Los Angeles zu bekommen. Das Instrumentarium der Band wurde zu diesem Zwecke ordentlich erweitert. Zum Einsatz kamen sowohl die bekannte, schlimm nach unten gestimmte Kirmespauke und die üblichen Gitarre-, Schlagzeug- und Fanfare-Grundlagen, aber zusätzlich auch eine Unmenge an alten 80er Jahre Synthesizern. Wie Joe Haege beschreibt: „Actually lots of synths, as well as some samples of South American chants turned into chords. Not to mention the degenerated Four Track recorders, dying guitar pedals, and most importantly: turning your back to the microphone and yelling…“ Kein Wunder also, dass dieses Album so ganz anders daher kommt als der Vorgänger, den auch schon niemand so richtig in eine klare Schublade stecken konnte. Immer noch dunkel, immer noch dramatisch, natürlich immer noch getragen von der wunderbaren Stimme der Corrina Repp, tauschen die Songs dieses Albums dennoch die früheren, sumpfigen Bluesmutationen gegen eine noch etwas schwerer zu beschreibende Melange aus. War beim Vorgänger noch eine Art Vintage-Sound dominierend, so klingt es jetzt – tja, wonach ? Nun, Sophisticated Analog könnte man das nennen. Eventuell ein neues Genre? Soeben erfunden?
„A Monument“ zeigt auch in Songwriting und Anordnung einen überzeugenden Schwenk vor, mit eben diesen Synthesizer Sounds, den ausgefuchsten Gesangs-Arrangements, vitalen Tempowechseln und einer generell stärkeren melodiösen Ausrichtung.Tatsächlich klingt kein Song wie der andere auf diesem Album, und doch klingt es immer nach Tu Fawning. Mit dieser eigenen Handschrift, die immer wuchtig, aber auch immer anmutig ist. Geht das überhaupt? Ja, die Abba-esque Hormonverteilung in der Band macht’s möglich. Drama ja, aber nie mit der Zaunlatte. Ihr Blues behält zu jedem Zeitpunkt Eleganz, aber auch angespannte Präsenz, garniert mit Raubeinigkeit.
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